Im Rahmen aller neuer Strukturen, die sich eine börsenkotierte, tradionsreiche und ehrenwerte Elektrizitätsgesellschaft zu geben hat, hat sie sich halt auch gewisser jahrhundertealter Organisationsformen zu begeben. Deshalb ist unsere Firma nicht von ungefähr nun per 09. Juli 2007 offiziell in die Fussstapfen getreten von anderen traditionsreichen und ehrwürdigen Firmen. Und zwar nach dem klassischen Prinzip: Reduktion des service public bei gleichzeitiger Überführung in das "do-it-yourself- und-am-besten-online" -System. Somit besorgen wir es uns nun also selber. Wir reden hier übrigens von unseren internen Post, dass uns da keine Missverständnisse aufkommen, Herr Schmitz! So unglaublich es klingt, aber VOR dem erwähnten Datum - und stubbornita hat es also noch erlebt! - wurde die Post allen persönlich im eigenen Büro in den "Posteingang" gelegt und gleichzeitig alle versandbereite Post aus dem "Postausgang" mitgenommen. Und wenn es auf der Runde zwischen elf und halb zwölf Uhr vormittags nichts zu verteilen resp. mit zu nehmen hatte, hiess es:
peppi & co.: "Niente?! Buon appetito, eh!"
b-dörfli & co.: "Altretanto!"
Tja. Da hocken wir nun also und müssen für die Post höchstpersönlich runter zum höchstpersönlichen pigeon hole im Sekretariat beim Empfang. Haben wir also das 21. Jahrhundert in Sachen "moderne Unternehmensführung" erreicht.
Das eröffnet aber immerhin den für die interne Postzustellung zuständigen Mitarbeitern neue Perspektiven. Die einen schrubben nun die Granitdekoration dort, wo es plätschert - also in der Empfangshalle. Andere finden neue Aufgabenbereiche in der firmeneigenen Autowaschanlage, im Archiv, im Zentralmagazin, in der firmeneigenen Tankstelle usw. Und einer kann sich endlich wieder voll und ganz ums Kerngeschäft kümmern. Um das schönste und beste von allem. Das wichtigste von allem. Bis eines Morgens das blanke Entsetzen in seiner ganzen Brutalität zuschlägt:
stubbornita: "Guten Morgen, Ivano, wie läuft denn dein Geschäft heute? Auch so viel Stress?"
ivano: "Ambrogio ist heute nacht nicht nach Hause gekommen!!!!!!
stubbornita: "Um Himmels Willen."
ivano: "Ich weiss auch nicht, was er hat. Das ist jetzt schon das zweite Mal!"
Alarm. Es droht die Verwilderung der Lower South Side. Ein Blick auf die Matrix zeigt: This is a corporate issue! Schliesslich geht es um den Repräsentationswert des Verwaltungsgebäude "Eins" am Hauptsitz einer börsenkotierten, traditionsreichen und ehrenwerten Elektrizitätsgesellschaft. Folgerichtig also umgehend Krisensitzung im Büro IFRS & Tax. Konzernrechnungslegungsspezialist B-Dörfli plädiert schon fast für eine Sofortabschreibung auf Verwaltungsgebäuden/ Immobilien, während stubbornita trotz ausgezeichneten Verhältnisses zum zuständigen Steuerkommissär bezweifelt, ob derlei steuerlich als geschäftsmässig begründet durchginge. Müsste man diese Parkanlage nicht als IP, als intellectual property, aktivieren? Und, gäll, es ist doch wieder mal typisch: Kaum hat er die Probezeit bestanden....!
Glücklicherweise entpsannt sich die Lage bereits drei Stunden später. Der hl. Antonius von Padua hat es einmal mehr gerichtet. Ivano meldet in der 10-Uhr-Kaffeepause mit ins Gesicht geschriebener Erleichterung, er habe sowohl Ambrogio als auch die Gebrauchsanweisung gefunden. Ambrogio könne nichts dafür, er habe ihn falsch programmiert und dann habe die Batterie - nicht mehr gereicht für den Heimweg. Ausgerechnet! Dafür hat sich doch Ambrogio nicht eine Elektrizitätsgesellschaft als Arbeitgeberin ausgesucht, dass ihm nachher der power ausgeht. Zeit für eine dieser angedrohten ultramodernen Online-Mitarbeiter-Zufriedenheitsumfragen - da will sich jemand (angeblich anonym) beschweren!



