Friday, April 16, 1999

Umbau 1999, Zwischenrufe

[16.4.99] - Resolottas liebster Vetter mit neuem Auto
Das tönt ja fast nach einem Ami-Schlitten! Mayo, Mayo, ich staune, ich staune. Texanerhut inbegriffen, yeah! Oder ein Honda, takushita zackzack! Kimono inbegriffen (passend zu den Stiefeletten). Und, kleine bissige Frage am Rande, (der man natürlich den blanken Neid anhört): Findet sich mit dem Schiffchen denn auch ab und zu mal innert nützlicher Frist ein Parkplätzchen? Oder ist der Herr Chefarzt in spe etwa mit zwei netten Einstellplätzchen gesegnet, sowohl zu Hause als auch in der experimentellen Medizin? Das Auto mag vielleicht ein wenig älter sein, dafür ist das amerikanische Kriegsmaterial eher fortschrittlich.
In diesem Sinn, R.

[21.4.99] - Resolottas Bern-Allergie
Eigentlichgeht'smirprima, nurdasWettermachtmicheinwenigdepressiv.
AusserdemhabeicheinschlechtesGewissen, weilichheuteschonwiederdieübungengeschwänzthabe.
ImübrigenistdieLageunverändert.
R.

[27.4.99] - Columbine Highschool, Littleton, Colorado
Falls Du anspielst auf die statistisch absehbaren, regelmässig auftretenden Konsequenzen des allgemeinen Mangels an kollektiver Intelligenz der Yanks in Sachen Waffenpolitik, deren chronische Nichtbewältigung einmal mehr die Falschen erwischt hat, so würde ich meinen, die Waffenindustrie habe alles Interesse, dass dieses Thema in ein paar Tagen erledigt - eben nichtbewältigt - ist und man zur Tagesordnung in Kosova übergehen kann, wo sich für die zahlreichen amerikanischen Waffen-Marketing-Strategien viel unverfänglicher Werbung machen lässt.
In diesem Sinn, Dona Quixotta de la Mancha

[6.5.99] - Nederlandica
Back from a NL-trip - Opa's 80 birthday. Koniginnedag in Amsterdam - best wheather as usual on April 30 (what a nice city this Amsterdam always is!) and as usual I caught a cold (what a windy city this Amsterdam always is!) Heute bekomme ich endlich meinen Schatz wieder zu sehen und zu hören, der nun eine Woche an der interkantonalen Försterschule (was es nicht alles gibt) in Lyss interniert war unter einem Vorwand mit dem Titel "Einführungsworkshop für den eidgen. Lehrgang in Sachen Wirtschaftsinformatik" oder so ähnlich. Aufgrund des Charakters meines Schnuckiputz befürchte ich Schlimmes, er ist irgendwie nicht so der Schulkolonie-Typ. Ausserdem bekundet er Mühe mit sinnlosen Regeln, autoritärem Gebahren und stumpfsinnigem Auswendiglernen ("Was ich nicht begreife, brauche ich nicht zu wissen") - Sehr kompatible Einstellung in diesem Land. Es bleibt zu hoffen, dass der Stoff easy ist und er nichts dafür tun muss, sonst gibt das einen einjährigen Dauerlauf in Sachen Grundsatzdiskussionen. Am Telefon hat er gemeckert. Er ist ja sooo ein Armer. Ich zitiere wörtlich: "Da ist eine hinter mir her, als ob ich Honig am Arsch hätte". Du erlaubst, dass ich mich amüsiere...
In diesem Sinn, R. Halsbobo van den Schluckaua

[11.5.99] - Belgrad
In der Tat ist mein charmanter Freund wieder in festen Händen. Schliesslich hat er andere Sorgen: Unser Haus sieht innen aus wie die chinesische Botschaft in Belgrad aussen. Schluchz. Ausserdem legen die Werk-Beauftragten ein dermassen heilloses Tempo vor, dass wir ein wenig im Entscheidungsrückstand sind, keuch. Wollt ihr nun ein Ablagerändli von 15 Zentimetern oder nicht? Wollt ihr warmes Wasser im WC oder nicht? Was für ein Brünneli wollt Ihr im Bad und wie hoch? Jetzt haben wir uns endlich auf eine Badewanne geeinigt, da sagt der Sanitär: email isoliert miserabel, ihr solltet acryl nehmen, aber unser traummodell gibt es nicht in Acryl. also, was findest du? Ich weiss nicht...

In diesem Sinn, R. Schluckaua Quixotta

Thursday, April 1, 1999

Umbau 1999, Prolog

[1.4.99]
Milch
Bratbutter
Röschti
Mayonnaise
Fischstäbli
Abwaschmittel
zwei möglichst knackige Kopfsalate, oder: ein Eichblatt, ein Kopfsalat, NICHT vorgerüstet
Frischbackbrötli
Butter
Reibkäse
ev. anderer Käse, wobei am Samstag das Lädeli vielleicht offen ist, falls Du St-Antönierkäse bevorzugst
a. Speckwürfeli
eine vorpräparierte Gemüsesortierung: Sellerie, Kabis, Rüebli, Zwiebel
Ein Sack Linsen
Reibkäse
b.Zwei Pouletbrüschtli
c.Einmal Zutaten für Curry
d. Ein Kilosack junge Härdöpfel
etwas Fischiges (Stäbli, Kabeljau, irgendwas - schliesslich ist ja morgen Karfreitag, halleluja.
Ha di ganz fescht gäm, Resolotta


[1.4.99]
Wir hoggen in St.Antönien und brüten in trauter Zweisamkeit über noch nicht existierenden Umbauplänen.
Soweit unser Osterprogramm.
Gruss, Resolotta


[8.4.99]
Es hielt sich in St. Antönien im Rahmen mit der Produktivität. Wir haben uns immerhin auf einen Badezimmerstandort geeinigt an diesem Wochenende - nur um, zurück im Haus, festzustellen, dass dort drunter Eichenparkett der feinsten Sorte liegt, das man heute nicht mehr bekommt (ausser Krösus persönlich vielleicht noch) und mein Archäologenherz nun ein wenig in Gedanken Planken nummeriert und eigentlich das Badezimmer vielleicht doch nicht dort? Ja, was denn nun...
Mit anderen Worten: und sind so klug als wie zuvor.
In diesem Sinn, R.

[8.4.99]
Eiei, es wird hier kaum spannender.
Ich habe ungefähr fünfhundert Bibeli im Gesicht, die wegzubetonieren mich jeden Morgen ungefähr eine halbe Stunde meines kostbaren Schönheitsschlafs kostet.
Alles andere dagegen sind reine Luxusprobleme, die in ihrer Reihenfolge auf einer sauberen Liste stehen und beginnen mit: Darlehen, Miete, Bürgschaft, Kollektivanlagevertrag und so weiter. Schaudernd blicke ich gelegentlich auf die Tischecke, wo dieser Zettel liegt, um mich dann mühelos mit viel wichtigerem zu beschäftigen, zum Beispiel e-mails an zukünftige Dr.meds zu verfassen.
Immerhin: ab und zu lese ich zur Unterhaltung ein paar Bundesgerichtsentscheide, um festzustellen, was der streitsüchtige Schweizerbürger so für Probleme hat.
Ausserdem versuche ich, ein paar sinnvolle Gründe für eine Phil-I-Dissertation aufzutreiben - es ist der reine Argumentationsnotstand. Mein Bruderherz ist in einer - natürlich zu siebenhundertprozent selbstverschuldeten Diss-Abschlusskrise. Da hat er ja mal was mit dem FC Basel gemeinsam...
In diesem Sinn, R.

Friday, February 12, 1999

Ruinenführer 1999, Teile 1 bis 9

[12.2.99]
Also im Moment läuft's rund:
1. Wir sind mitten im Umzug.
2. Übernächste Woche ist Abgabetermin für die Lizarbeit.
3. Übernächste Woche ist Fasnacht.
4. Die Volleyballsaison läuft noch bis Ende Februar.
5. Sind wir dabei, zu versuchen, ein Haus zu kaufen (ja, der Zeitpunkt ist zum kreischen, aber wir geben uns trotzdem Mühe, es zu kriegen, trotz knapper Kriegskasse.
In diesem Sinn, Dona Quixotta


[16.2.99]
Einmal stirbt er vor Kälte, dann (noch häufiger) vor Hunger - und jetzt hat er sich überfressen.
Der Arme.
Resolotta hat soeben zwei Stunden mit ihrem Schnuckputz virtuell über ein Haus diskutiert, das wir ja dann am Schluss doch nicht bekommen werden. Ausserdem wurde beschlossen, die Fasnacht zu schwänzen, das Buch zu schicken und die Abwaschmaschine nicht anzuschliessen.
Im übrigen war der Französisch-Kurs ernüchternd. Stotter-stotter auf der Ebene orale, Fehler über Fehler auf der Ebene écrite.
Tja, nobody's perfect. My name is Resolotta.


[16.2.99]
Wir hingegen, wir haben schon immer dicht gedrängt gewohnt und wir wollen doch jetzt nicht noch neue Sachen anfangen aufs Alter. Die Bruchbude, auf die wir unser begehrliches Auge geworfen haben, liegt selbstverständlich im KLEINbasel (und nomen ist eben omen). Leuengasse, falls Dir das was sagt.
Indiesem Sinn, R.


[19.2.99]
Herkules, mein Schnäppchenjäger vom Dienst hat tatsächlich heute den Zuschlag bekommen für unser harziges Bruchbüdelein. Natürlich soll man sein Herz nicht an irdische Güter hängen, blabla, Kalvinisten aller Länder vereinigt Euch - ätsch.
In diesem Sinn, Resolotta


[28.2.99]
Zügle isch ä Saich - zwaimool pro Joor isch es klar e Zuemuetig, aber wenn de s'lieb lang glaibasler Lääbe am ene Huus vorbii laufsch und dänggsch: Do wurd i gärn woohne, und's au jedem Bsuech bim Gang an Rhyy aabe zaigsch - und denn isches plötzlich z'ha: Was mainsch wie simmer gsegglet. Zwar hämmer dänggt, das kennemer nit zaale, aber es isch zem Gligg e Bruchbideli. Denn hämmer dänggt, das kriegemer nie, bi däre Konggurränz, und dr Herkules het no welle dr Bryys aabedrugge - mini Närve hättisch sötte ghöre glabbere. Aber dr Herkules bikunnt alles wo-n-er wott - insofärn isch immer guet, wenn ich z'gliiche wott...
In diesem Sinn, Parcivalla


[25.3.99]
Es ist ein Reiheneinfamilienhäuschen, fünfzig Meter vom Rhein (aus dem Fenster lehnen!) aus dem Jahre 1886, mit Gärtchen (in der Mitte ein übermächtiger Ahorn, der Licht wegnimmt und Wasserleitungen ruiniert) und am anderen Ende des Grundstücks ein Waschhaus von 1904 und ein Schopf, der ca. 60 Jahre alt, aber illegal, ist. Letztere beiden Gebäude sind kurz vor dem Zusammenbruch, da es seit Jahren reinschifft. Ferner hat das Haus auf der Hofseite eine gigantische Veranda mit Oblicht (erinnerst Du Dich an unseren Balkon an der Breisacherstr. ? noch grössere Fläche) aus dem Jahre 1910, sojugendstilmässig, und dort schifft es auch ein wenig rein.
Im Haus selber hat es fünf Zimmer davon drei ultrawinzige, auf drei Etagen (inkl. Parterre). Sowohl Keller als auch Estrich wären ausbaubar - $$$$. Die Küche datiert von 1969. Das Badezimmer von 1951. Der zweite Stock wurde 1951 draufgebaut. Die Nachbarhäuser Nr. 3 -11 sind alle einen Stock tiefer. Auf der rechten Seite steht quer an der Bärenfelserstrasse ein Wohnblock (hässlich).
Die Abwasserleitungen müssen saniert werden. Die elektrischen Leitungen wirken alle bedrohlich vernachlässigt. Ausserdem wäre eine Zentralheizung schön, im Gegensatz zu meinem Bruderherz bin ich nicht so der Brikett-Heizer-Typ. Ein neues Badezimmer wäre auch nicht schlecht. Das Haus hat auf jedem Stock 30 Quadratmeter, klein aber hoch... Die Fassade ist auch nicht in genialem Zustand, vor diesem schweren Winter war da ein Efeu, das jetzt aber am Boden zerstört liegt und an seinen Wurzeln hängt ungefährt 80 % des Putzes.
Was möchtest Du sonst noch wissen? Ich bin back in action, die Nato schiesst, Piccard ist gelandet, Giuliani ist nicht mehr ganz so populär, Prodi ist neuer Europa-Häuptling, Erbrecht ist anstrengend.
In diesem Sinn, R.


[27.3.99]
Herkules und Resolotta, weisst Du das schon, haben ein Haus gekauft. Ich bin selbst noch ganz überrascht.
In diesem Sinn, R.

[27.3.99]
Aus der Abteilung Schmalspurhauseigentümer gibt es zur Zeit zu berichten: Herkules ist dabei, seine Samstage mit Badewannenprobeliegen zu verbringen, ich grüble über den Finanzen und schufte (ja das passt) Wertpapierrecht, nachdem ich endlich mit dem v... Erbrecht zu Rande gekommen bin. Die Prüfungsdaten sind gnädig spät im September, habe ich mit einer gewissen Erleichterung festgestellt. So steigt die Chance, dass neben Umbau und Umzug vielleicht noch die eine oder andere Vorbereitungsviertelstunde übrig bleibt.
In diesem Sinn, R.


[27.3.99]
Nächste Woche bin ich schon besetzt, und zwar mit - schon wieder, keuch - Besuch aus Holland. Die sticht natürlich der Gwunder und sie machen weite Umwege aus den Osterferien, um uns Schmalspurhauseigentümern den Enthusiasmus zu dämpfen. Grummel. (Nicht immer so negativ sein, Resolotta!) Also gut: Hurra.
Im übrigen habe ich Erbrecht vollendet und stecke nun gemäss Plan für zwei Tage meine Energien ins Wertpapierrecht, zwei Tage und keine Sekunde mehr!
In diesem Sinn, R.